Der Traum von der Treue


Gedanken zu dem gleichnamigen Artikel aus "Die Zeit" vom 7.4.2011

 

Für die Monogamie gibt es in der Natur kaum ein Vorbild. Wie gelingt es dem Menschen (hin und wieder)? Treue ist eine kulturelle Leistung.

Zuerst: Exkurs Treue.
Mit Treue ist hier wohl Monogamie gemeint. Ich unterscheide zusätzlich Treue=Nicht verlassen und Treue=nichts für den anderen Schädliches tun. Natürlich sind diese Arten der Treue bekannt, z.B. ein treuer Hund (ist ja wohl kaum ein monogamer Hund). Oder bei "Er wurde wegen Veruntreuung von Geld seines Arbeitgebers  angeklagt". Dürfte klar sein. Für mich sind die beiden nicht-Monogamie-definitionen viel wichtiger, denn Monogamie kommt von alleine - Treue ist harte Arbeit.

Wunsch nach Exklusivität
Ja, so ist es: ALLES MEINS! Wie Spielzeug, dass man seinem Kindergartenkameraden nicht gönnt. Auch wenn man selbst nicht mehr damit spielt.

Das Ideal der Treue übersteht alle Varianten des Zeitgeistes
Aber so ein Ideal ist auch schnell mal im Ar....  Andererseits - die Suche nach einem neuen Partner kostet ja auch einen gewissen Aufwand. Was ist besser als die Taube auf dem Dach? Die Stumme im Bett.

Abwechslung bei Männern: Möglichst weite Verbreitung
Männer können (und wollen) ihr Erbgut möglichst weit verbreiten. Da es ungefähr gleichviel Männer wie Frauen gibt, ist Polygamie also natürlich. Dazu gehört dann eben, dass Männer Nebenbuhler ausstechen müssen. Auch das wird als natürlich angesehen: Mehr PS, mehr Einkommen, mehr Ansehen. Mein Haus - mein Auto - meine Frauen

Abwechslung bei Frauen: Redundanz
Frauen können iher Erbgut nur mit Bedacht weitergeben. Außerdem müssen sie den Nachwuchs schützen. Wenn nicht sie, wer sonst? Dazu müssen sie einerseits den Mann fürs Bett haben, der gute Gene hat, also attraktiv ist, andererseits aber auch den "guten Freund", der im Alltag hilft. Und wie kann frau ihn besser an sich binden, als ihm die Stange zu halten? Je nach Beschwerlichkeit können es auch mehrere sein. Wenn mal einer ausfällt. Der Fachmann nennt es die sozio-ökonomische Position.

Fremdgehen = ernsthaftes Beziehungsproblem  oder  Untreue beginnt beim Fremdknutschen
Aber auch schon beim Fremdphantasieren? Kann "er" angeklagt werden wegen üblen Nachdenkens?
"Wehret den Anfängen" heisst es. Soweit so gut. Aber in wie vielen Fällen macht die Frau den Anfang, wenn sie, natürlich nur als erzieherische Maßnahme, eine Migräne vorschiebt oder "Gerade keine Lust hat. Weiß nicht warum."

Denn es dürfte klar sein: Bei einem ausgewogenen Sexualleben gibt es überhaupt keinen Grund zur Untreue. Sie ist dann wieder natürlich.