Modernes Software-Engineering


Beim Bau eines Einfamilienhauses möchte der Architekt die Planungs- und Ausführungsgruppe immer ausgelastet haben. Er läßt daher jeweils ein Zimmer konstruieren und anschließend bauen. Um schnell in die Bauphase zu gelangen, wird mit dem einfachsten Zim-mer, hier dem Schlafzimmer, angefangen. Es wird Transportweg-opti-mal an der Straßenseite plaziert.

Die Bauarbeiten sind schneller fertig, als die Planungsarbeiten am nächsten Zimmer, dem Wohnzimmer. Um weitere Bauarbeiten durchführen zu können, wird dies zunächst soweit gebaut wie bereits geplant und der Planungsgruppe die Küche übertragen.

Nun will der Bauherr endlich etwas Konkretes sehen, so wird schnellstmöglichst eine Fassade hochgezogen, um den Eindruck des fertigen Hauses zu vermitteln. Um das Dach montieren zu können, wird auch eine zweite Fassade gebaut. Da für die Fassaden noch keine Planungen vorlagen, wurden Fenster und Türöffnungen zunächst nicht berücksichtigt. Der Architekt ist überzeugt davon, diese problemlos später herausbrechen zu können.

Da die Grundfläche des Hauses somit baulich festgelegt ist, ist für die endlich zuende geplante Küche aber kein Platz mehr im Erd-geschoß. Sie wird in die 1. Etage verlegt. Um die Vorgabe einer Durchrreiche von der Küche zum Wohnzimmer zu erfüllen, wird ein Speiseaufzug montiert. Trotz ständigen Arbeitens unter Hochdruck wird das Projekt dadurch unerwartet verteuert und verzögert.

Der Bauherr hatte bereits seine alte Wohnung gekündigt und zieht nun in das halbfertige Haus ein. Das Fehlen von Sanitärein-richtungen wird durch die Anmietung eines Toilettenwagens vorläufig endgültig überbrückt.

Alle laufenden Arbeiten werden gestoppt, um durch die fehlenden Fenster dringend gewordenen Elektroarbeiten zu forcieren. Die Kabel werden kurzer Hand auf Putz verlegt, um sie später mit wenig Aufwand in die endgültige Lage bringen zu können.

Um die Anforderung zu erfüllen, den Eingang des Hauses an die Seite mit der kürzesten Entfernung zur Straße zu legen, muß das Haus nun über das zuerst gebaute Zimmer, das Schlafzimmer, betre-ten werden. Dies erscheint dem Bauherrn als untragbar, also läßt der Architekt die vordere Außenseite des Hauses bis zur 1. Etage mit Erde aufschütten. Das Erdgescho0 wird zum Keller, das im 1. Stock geplante Bad zum Flur und der Toilettenwagen zur Dauerlösung. Die Kosten erreichen die gesetzte Grenze und so wird alles weitere auf eine spätere Realisierungsphase verschoben.

Nach einem Artikel in FIFF Kommunikation 4/90, München