WYSIWYG


 

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich diesen Beitrag unter "Lustiges" oder "Info" unterbringen soll.

WYSIWYG ist die bekannte Abkürzung für "Du bekommst genau das, was du siehst". Gemeint sind dabei Text- oder Bildeditoren, die das entworfene Werk am Bildschirm genauso anzeigen wie es später ausgedruckt wird.

Offenbar scheint dieses "What you see is what you get" auch für den Einzelhandel zu gelten. Nachdem, Zitat M. Mittermeier, "die vom CIA entwickelte Tarnkappe erfolgreich im deutschen Einzelhandel getestet wurde", werden nun die bestraft, die es schaffen, einen Berater zu finden. Hier die Erlebnisse, alle vom Februar-März 2003, außerhalb der Stosszeiten:

  1. Buchhandlung. Ich durchsuche die Auslage. "Kann ich Ihnen helfen". (Ein guter Anfang). Ich halte ein Buch über PaintShopPro 6 in den Händen und sage: "Ich suche so etwas für Version 5". "Das wäre dann Antiquariat, das führen wir nicht".
  2. Schreibwarenmarkt: "Ich hätte gern Druckbleistiftminen 2B". (2B bezeichnet die Härte der Mine.) -"Führen wir nicht, wir haben nur 0,5 mm". (Das ist die Stärke der Mine.)
  3. Dieselbe Buchhandlung wie oben, am zentralen Info-Stand: "Ich suche das Perry Rhodan Hörspiel Nr. 6". "Fragen Sie bitte dort hinten unter SciFi". (Nicht schlecht! Perry ist als Science Fiction bekannt.) Ich gehe dorthin und wiederhole dort meine Frage. Die freundliche Beraterin: "Ich frag 'mal" und rennt los. Zum zentralen Info-Stand, der weiterhin von genau derselben Person besetzt ist, die ich schon gefragt habe. Das wird spannend, denke ich mir. Die Beraterin kommt zurück und sagt: "Gibt es im Moment nicht!". Ich bedanke mich und ziehe von dannen. Zuhause sehe ich mir noch mal die Hülle von Hörspiel Nr. 5 an und stelle fest, dass an der Seite ganz klein eine ISB-Nummer steht. Ich kontaktiere meinen local dealer und wiederhole meine Nachfrage: "Ja, das wäre ISBN 3-93633721-7, kann ich morgen vorbeibringen. Es gibt auch schon Nr. 7!" Das habe ich dann auch noch genommen.
  4. Computer-Fachgeschäft (also nicht Handelskette oder Megamarkt), beim Kauf eines Modems. "Läuft das auch unter Windows 2000?" "Es kann sein, dass Sie da die Treiber aus dem Internet holen müssen!" Dies ist mittlerweile eine beliebte Phrase, das Internet als Alleskönner. Schade nur, dass ICH DAS MODEM ABER GERADE DAZU BRAUCHE, UM ÜBERHAUPT INS INTERNET ZU KOMMEN!
  5. Wieder in der o.g. Buchhandlung. Nachdem ich die Auslage durchsucht habe Frage an die direkt daneben sitzende Beraterin: "Ich suche Schulungsunterlagen zu Excel 2000". "Haben Sie schon dort im Excel-Fach nachgesehen?" (Nein, nur im Word-Fach!) "Ja, aber da gibt es nur Bücher zum Selbststudium. Ich suche etwas, was ich als Seminarleiter den Teilnehmern geben kann." Da müssen Sie 'mal ins Internet gucken". Ich wollte gerade antworten, dass ich aber das Buch bräuchte, um überhaupt ins Internet zu kommen. Aber das war wohl irgendwie die falsche Antwort.

Auffallend bei all diesen Aktionen war, dass der Verkäufer/Berater nicht den Hauch eines Versuches machte, selber aktiv zu werden. Sicherlich hätte ich auch intensiver nachhaken können. Aber warum? Die Antworten waren so klar und schlüssig, dass ich mir total schulmeisterlich vorgekommen wäre. Außerdem hatten die meisten ja Recht: Ich gucke nächstes mal gleich selber ins Internet.